Weiter Horizont e.V.
AKTUELLES zu Afghanistan

Ausgegrenzt, isoliert, ohne Hoffnung 

Seit der Machtübernahme der Taliban wurde Mädchen und Frauen:

  • In letzter Zeit eröffneten mehrere Koranschulen, die Mädchen vorrangig die Bedeutung des Koran als Grundlage der Wissenschaft,  zusätzlich z.B. etwas Mathematik und eine Vorbereitung auf ihre Rolle als Frau in einer traditionellen islamischen Gesellschaft vermitteln
  • der Zugang zu allen öffentlichen Parks verboten
  • eigenständiges Arbeiten - aktuell mit Ausnahme weniger Stellen im Gesundheitswesen - verboten.
  • der Zugang zu vielen Restaurants selbst in Begleitung männlicher Familienangehöriger ist verboten.
  • Kosmetikstudios als sozialer Treffpunkt wurden unter dem Vorwand unsittlicher Aktivitäten verboten.
  • Frauen dürfen nur vollverschleiert in Begleitung männlicher Familienangehöriger das Haus verlassen
  • Strafe für Frauen, die alleine auf der Straße  angetroffen werden: 40 AFN (auch z.B. für Witwen, die keinen Sohn haben und trotzdem für die Kinder bei Nachbarn Brot holen).

Leben im geistigen Mittelalter mitten im 21. Jahrhundert

Fakten zur allgemeinen Situation für Frauen in Afghanistan

Vor der Machtübernahme durch die Taliban: 

  • im  afghanischen Parlament  waren 27 % der Abgeordneten Frauen; 
  • 21% der Staatsanwälte waren weiblich. 

Mit den Taliban 

  • wurde das Frauenministerium abgeschafft und statt dessen das Ministerium für die Verbreitung der Tugend und die Verhütung des Lasters (Sittenwächter) wieder eingeführt. 
  • 100.000 weibliche Studentinnen dürfen nicht mehr ihr Studium fortsetzen.
  • 1,72 Millionen Mädchen sind aktuell ab der 7. Klasse von Schulbildung ausgeschlossen. 
  • Frauen dürfen nicht mehr arbeiten, auch nicht  für NGOs.  
  • Nur wenige Bereiche - wie im Gesundheitswesen - wurden teilweise für Frauen geöffnet. Ärztinnen dürfen keine männlichen Patienten behandeln und sich nicht mit männlichen Kollegen austauschen.
  • Nach dem Erdbeben im September 2025 dürfen die männlichen Helfer keine (nicht nah verwandten) Frauen anfassen - d.h. nur Männer und Kinder retten.  
  • Das Risiko der Müttersterblichkeit stieg um 50%.
  • 18% der Mädchen und Frauen treffen laut aktuellem Genderprofil von UN Women innerhalb von drei Monaten niemand anderen außerhalb ihres engsten Familienkreises.
  • 8% kennen Mädchen und Frauen, die einen Selbstmordversuch unternommen haben. In einer Nordregion stiegen die depressionsbedingten Arztbesuche von schulverbotenen Mädchen um 80%.

Medien-Berichte zu Afghanistan

Nachdem das Auswärtige Amt zwei Taliban-Vertreter als Diplomaten bestätigt hat, schlossen Mitarbeitende und Konsul nun nach gemeinsamen Beratungen das Konsulat in Bonn. Unterlagen von Afghanen, die vor den Taliban geflüchtet waren, sollten keinesfalls in die Hände des Regimes fallen. In einem Videostatement und Presseerklärungen in mehreren Sprachen wird diese Schließung begründet.   (29. September 2025, Quellen: Consulat und diverse)

Am 4. Dezember 2024 schlossen die radikalislamischen Taliban die letzten Ausbildungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen, die es noch für Frauen und Mädchen gab; als Hebamme. Die Anordnung der Regierung wurde bestätigt. Den  Auszubildenden wurde mitgeteilt, dass sie am kommenden Tag nicht mehr kommen dürfen. Damit verbunden ist perspektivisch eine weitere einschneidende Menschenrechtsverletzung für Frauen sowie eine zukünftig noch schlechtere Gesundheitsversorgung in einem Land, das für hohe Mütter- und Kindersterblichkeit bekannt ist.  Frauen dürfen nur von weiblichen Medizinern behandelt werden. Ärztinnen dürfen sich auch nicht fachlich mit ihren männlichen Kollegen austauschen.  (diverse eigene Quellen vor Ort und Medien, 04.12.2025)

Der Europäische Gerichtshof  - das oberste Gericht der EU - entschied heute, dass afghanische Frauen ohne Einzelfallprüfung ein Recht auf Asyl haben.  Die Repressionen der Taliban gegenüber Frauen seien so schwerwiegend, dass sie grundsätzlich als Verfolgte gelten. 

Aktuelles auf die Schnelle

Taliban konfiszieren Handies von Frauen

In der Taliban-Hochburg Kandahar kam es nach Zeugenberichten aktuell zu Kontrollen und zur Beschlagnahmung von "großen Telefonen" von Frauen. Sowohl unterwegs mit männlichem Verwandten als auch in den Wohnungen wurde kontrolliert und  Smartphones konfisziert.      18.09.2024, eigene Quelle

Frauen in Medien verboten

Aus sicherer eigener Quelle vor Ort wurde bekannt, dass die Taliban-Sittenwächter vergangene Woche anordneten, Frauen nicht in  den Medien zu beschäftigen. Unter Strafe der Abschaltung wurde den privaten Sendedirektoren  das Anstellen und Weiterbeschäftigen von Frauen verboten.    (06.09.2024)

Journalistin im TV Ton abgeschaltet

Während einer Live-Sendung der Afghanischen Nationalen Television am 27. August (Sanbiah 6)  wurde die Stimme einer fragenden Journalistin der privaten Fernsehstation Ariana einfach ausgeblendet. Als die Reporterin während einer Pressekonferenz mit ihren Fragen begann,  wurde sie stumm geschaltet und über eine Minute lang die  Kameras auf die Taliban-Männer gerichtet. 

Anlass der live übertragenen Pressekonferenz im Außenministerium der Taliban in Kabul waren Aktivitäten des vergangenen Jahres.  Eine offizielle Stellungnahme hierzu wurde nicht gegeben. Das Stummschalten und visuelle Ignorieren scheint auf Grundlage des neuen Gesetzes zu sein, mit dem Frauen die Stimme verboten wird.    (27.08.2024, eigene Quelle vor Ort)) 

  "Tugend"-Gesetz nimmt Frauen die Stimme  

Ein im Juli verabschiedetes und nun vom obersten Taliban, Hibatullah Achundsada,  bestätigtes Gesetz, schränkt die Rechte von Frauen noch weiter ein und nimmt ihnen weiter ihre Stimme. 

  • Die Stimme von Frauen sei "intim" und dürfe daher in der Öffentlichkeit nicht laut erschallen, nicht singen, rezitieren oder laut vorlesen. Andere Männer dürfen nicht die Stimme einer Frau hören.
  • Frauen dürfen nicht ohne mahran - nahe männliche Verwandte - auf die Straße gehen. Bei Kontrollen wurden Geldstrafen i.H. von 0,60 € verlangt, als eine Witwe von Nachbarn schnell Brot holen wollte.
  • Alle Körperteile von  Frauen müssen bedeckt sein, wenn nicht verwandte Männer in der Nähe sind. 
  • Frauen dürfen keine fremden Männer anschauen. 
  • Fotos oder Videos  von Menschen oder Tieren dürfen nicht angeschaut werden. 
  • Männer müssen eine bestimmte Bartlänge tragen, Krawatten sind verboten und moderne Kleidung ebenfalls. 
  • Die sich durch das islamische Scharia-Recht legitimierende Sittenpolizei darf Vergehen hart bestrafen, von 3 tägiger Verhaftung bis hin zu Folter.                    24.08.2024, eigene Quellen und diverse
 Suizidrate und Depressionen unter Frauen und Mädchen steigen

Hauptgründe sind neben Repressionen der Taliban der Ausschluss von Bildung, soziale Isolation und die nicht vorhandenen grundlegenden Rechte und Freiheiten.                              20.08.2024, eigene Quellen vor Ort

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